LIEBE LESER, IN
DIESEM BEREICH
KÖNNEN SIE...

… DAS
ABOUT TRUST-ARCHIV
DURCHSTÖBERN

ZUM ARCHIV

… DAS
AKTUELLE MAGAZIN
ALS PDF HERUNTERLADEN

ZUM DOWNLOAD

… DAS
ABOUT TRUST MAGAZIN
KOSTENLOS BESTELLEN

ZUM FORMULAR

Reportage

Heimat ist kein Ort

Welche Bedeutung Heimat hat, ist für jeden unterschiedlich. Für die einen ist es der Ort, an dem man geboren wurde, für die anderen ist es ein Gefühl: der Geborgenheit, der Nähe zu Familie und Freunden. Stefan Merkl und Hyeonsu Park, die für TÜV SÜD ins Ausland gegangen sind, berichten, wie wichtig räumliche und soziale Nähe für ihr Heimatgefühl ist – ein Protokoll.

Text Julia Illmer  
Fotos Ye Rin Mok (Merkl); Lara Freiburger (Park)

 

Stefan Merkl, Regionalleiter der ­Mobility-Sparte von TÜV SÜD in den USA.

 

„Meine Heimat ist Deutschland – daran wird sich nichts ändern, auch wenn ich seit Juni 2019 in den USA lebe. Ursprünglich komme ich aus dem Stuttgarter Raum und habe dort zuletzt für TÜV SÜD als Leiter der Abteilung Internationale Homologation/Fahrzeugtechnische Vorschriften gearbeitet. Im Ausland habe ich vor meinem Umzug in die USA erst ein Mal gelebt. Das war während meines Studiums. Damals durfte ich ein halbes Jahr in Shanghai verbringen. Das war eine ganz wichtige Erfahrung für mich. Im letzten Jahr bekam ich dann die Stelle als Regionalleiter der Mobility-Sparte für die USA angeboten. Das war natürlich aufregend. Meine Freundin und ich haben viel darüber gesprochen, was das für uns privat und beruflich bedeutet, und alles in Bewegung gesetzt, damit sie mitziehen kann. Die Nähe zu ihr gibt mir ein Gefühl von Heimat. Nun leben wir zusammen in Kalifornien – für TÜV SÜD ein interessanter Standort, weil hier die Technikgiganten sitzen, die an neuen Technologien wie elektrifiziertem und automatisiertem Fahren arbeiten. Ich verbringe ungefähr die Hälfte meiner Zeit hier und arbeite im Homeoffice in Long Beach. Die andere Hälfte bin ich im Büro in Plymouth, Michigan. Kalifornien und Michigan sind sehr unterschiedlich, beide ergänzen sich in der Automobilbranche jedoch perfekt. Am Anfang musste ich neben meiner neuen Tätigkeit zusätzlich viel Organisatorisches regeln – dies hat viel Energie und Zeit gekostet. Hierbei haben mich vor allem meine neuen Kollegen und meine Freundin unterstützt, mittlerweile haben wir uns gut eingelebt. Um sportlich aktiv zu bleiben, habe ich mir ein Mountainbike gekauft. In Deutschland bin ich häufig mit dem Rad in den Bergen gewesen – hier fahre ich am Strand entlang.“

 



 

Hyeonsu Park, Technical Certifier bei TÜV SÜD Product Service in Deutschland.

 

„Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich am Flughafen München ankam. Es war zehn Uhr abends. In kaum einem Geschäft brannte noch Licht und eine große Ruhe lag über der Stadt – für mich war das absolut ungewohnt. Denn ich kam aus der südkoreanischen Megacity Seoul. Dort tobt Tag und Nacht das Leben. Fünf Jahre hatte ich dort bei TÜV SÜD als Auditor gearbeitet, bevor das Angebot kam, in München eine Stelle als Technical Certifier anzutreten – eine tolle Chance für mich, die ich annahm, obwohl mein Sohn noch ein Baby war. Ihn und meine Frau habe ich in der Anfangszeit sehr vermisst.

„WENN ICH HEIMWEH HABE, TUT MIR EINE WARME KIMCHI-SUPPE GUT.“

 

Ein paar Monate später hat sie ihren Job in Korea aufgegeben, ist mit unserem Sohn nachgekommen und lernt jetzt Deutsch. Das hat mir sehr geholfen, um hier richtig anzukommen; in ihrer Nähe fühle ich mich wohl. Ich habe gemerkt: Mein Zuhause ist dort, wo meine Familie ist; meine Heimat bleibt Korea, wo ich geboren und aufgewachsen bin und studiert habe. Hier ist alles so anders. Wenn man in Korea eine Wohnung mietet, ist es zum Beispiel normal, dass eine Küche, Lampen und auch ein paar Einbaumöbel drin sind. Daher war ich sehr überrascht, als ich in eine kahle Wohnung kam und alles selbst besorgen musste. Auch die Arbeitskultur unterscheidet sich. In Korea sind Arbeitnehmer sehr unterwürfig. Was der Chef sagt, hat höchste Priorität. Hier habe ich gelernt, mich aktiver zu verhalten und selbst Vorschläge einzubringen. In München fühle ich mich mittlerweile sehr wohl. Daher habe ich auch meinen Vertrag bis 2021 verlängert. Einmal im Jahr besuche ich meine Eltern und Freunde in Korea – ursprünglich komme ich aus Busan am Japanischen Meer. Wenn ich Heimweh habe, tut mir eine warme Kimchi-Suppe gut. In den koreanischen Restaurants hat das Essen natürlich eine lokale Note – schmeckt aber trotzdem lecker!“